Beitrag Sa 28. Jan 2017, 19:34

Re: Hinter dem Stacheldrahtzaun

STBONE hat geschrieben:Mich würde nun mal interessieren was mit anderen Dingen gemeint ist ?


Ich denke mal das ich in meiner Erzählung http://forum.pripyat.de/viewtopic.php?f=24&t=760 sehr genau über all diese Dinge berichtet habe.
Die Strahlung ist speziell für diese Leute uninteressant bzw. nebensächlich. Selbst die Profis stufen die meisten Orte in der Zone als ungefährlich ein. Die 2-5 mikro auf paar Tage oder Wochen gesehen sind doch eigentlich ein Witz, oder?
Man sollte andere Dinger nicht außer Acht lassen. Im Winter ist man ohne Ofen aufgeschmissen. Ein Tag und eine Nacht hält man es vielleicht aus, dann aber wars das. Ein kaputter Ofen kann die Nacht zur Ewigkeit machen. Wilde Tiere sind eigentlich kein Problem, es sei denn man hat es mit einem Luchs zu tun der seine Brut in der Nähe hat, so schnell kannst du gar nicht gucken.. Wölfe verfolgen einen eine Weile in sicherer Entfernung und hauen ab wenn die merken das man noch fit genug ist. Tollwütige Tiere sind auch keine Seltenheit.. Da hilft nur ein großer Baum, starke Nerven und Ausdauer.. Stolperfallen, Stacheldraht, offene Gullis, vergammelte Fußböden, Dächer usw, das alles kann böse enden.

Ansonsten das Übliche - ellendlange, kaum passierbare Strecken, kaputte Füße und Knien, über 20 Kilo schwere Rucksäcke, überstrapazierte Nerven, ewige suche nach dem Wasser, unendlich viele Blutsauger und Zecken im Sommer, ständiges um sich schauen um nicht plötzlich entdeckt zu werden, spannende Katze/Maus Spiele mit den Bullen, Touristen die man über alles zu hassen lernt, Wasser mit Algengeschmack und einseitige Ernährung die zu 95 % aus Fleichkonserven besteht. Naja, man kann zur Not noch Pilze sammeln..
Warum tut man sich das alles an? Um nach 10 stündigem Walk durch dichtesten Wald, völlig erschöpft in Pripjat anzukommen und auf einem der Dächer sein letztes Bier aufzumachen und dem Sonnenuntergang in aller Ruhe zu zuschauen? Vielleicht..
Kann aber auch anders kommen. Stell dir nur folgendes vor - plötzlich taucht vor dir ein Auto auf, was überhaupt nicht wie ein Touristenbus aussieht, du springst ins Gebüsch und läufst wo die Augen hingucken, über Stacheldraht und Gestrüpp in den Innenhof eines Wohnblocks. Springst in den erst besten Eingang hinein, überlegst kurz ob in den Keller oder auf dem Dachboden, läufst dann doch die Stufen hoch und versteckst dich in der dunkelsten Ecke des Dachbodens. Lauschst stundenlang den fluchenden Bullen zu, die das ganze Wohnhaus unter dir aufm Kopf stellen. Als mit dem Anbruch der Dunkelheit sich der Ärger legt, gehst du runter und triffst im Innenhof auf einen Hund, der wie tollwütig zu bellen beginnt und dich wieder in das gleiche Haus treibt. Das Gebell geht die ganze Nacht. Mal etwas weiter weg, mal direkt vor dem Eingang. Schlafen? Unmöglich.. Morgens gehst du raus und schleichst dich aus der Stadt. Auf dem Weg nach Nowoschepelitschy verfolgen dich ganze Zeit Schüße.. Jäger? Bullen? Massenmörder? Irgendwann hinter Benewka hört das auf. Du suchst nach einem Haus wo du die nächste Nacht verbringen kannst, als plötzlich irgendetwas lautes dich auf dem falschen Fuß erwischt.. Wieder meterhohes Gestrüpp, Zäune und irgendwas unter den Füßen. Das Haus ist viel zu weit und der Hubschrauber viel zu schnell.. usw, usw..
Irgenwann, wenn alles gut geht, kommst du zuhause an und siehst das Leben mit den anderen Augen. Ist doch gar nicht so schlimm alles, es gibt schlimmeres..